«Man wird selber langsamer, die Technik wird aber immer schneller»

Der Berufsberater und Psychologe besuchte jüngst einen iPhone-Kurs bei Pro Senectute. Das erste Handy erhielt er als Geburtstagsgeschenk. Das Internet schätzt er als Wissensspeicher. Als ehemaliger Privatpilot ist er den Umgang mit komplexer Technik gewöhnt. Trotzdem überkommen ihn angesichts der sich rasend schnell entwickelnden Technologie manchmal Gefühle, nicht mehr zu genügen... Und: Das Buch bleibt ihm wichtig.

Notiert von Michael Walther, Redaktor Newsletter Pro Senectute Kanton St. Gallen​​​​

Als Hans-Ruedi Küffer im November 2018 den iPhone-Kurs von Pro Senectute in St. Gallen besuchte, gab es erst ein Problem. «Ich verwendete bis dahin ein iPhone 5 und kaufte zwei Tage vor dem Kurs ein iPhone 8.» Um up to date zu sein.

Aber: «Ich wusste nicht, dass ich das Gerät anmelden musste.» Dies führte dazu, dass Hans-Ruedi Küffer im Kurs erst einmal nicht alles eins zu eins mitmachen konnte. «Ich musste einige Schritte später noch zu Hause nachholen.»

Hans-Ruedi Küffer, 81, in St. Gallen wohnhaft, war Berufs-, Studienberater und Psychologe. Den Berufseinstieg machte er bei der städtischen Berufsberatung. Durch eine Zusatzausbildung wurde er Psychotherapeut. Er arbeitete bei den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensten (KJPD) des Kantons St. Gallen, aber auch zusammen mit Erwachsenen. Als Laufbahnberater und Psychotherapeut war er lange Zeit auch selbständig. Küffer ist noch immer Mitglied der Assoziation schweizerischer Psychotherapeutinnen und -therapeuten (ASP). Seit kurzem ist er bei Pro Senectute St. Gallen selber Kursleiter – für autogenes Training.

«Den i-Phone-Kurs besuchte ich, um die vielen Applikationen kennenzulernen und zu erfahren, wie man damit umgeht. Die Grundlagen – Telefonieren, Aus- und Einschalten –, das kannte ich natürlich schon.»

Wissen, was in den Maschinen steckt

Anwendungen, wie etwa per Mobiltelefon ein SBB-Billett zu kaufen, dies brauche er zwar selten. «Aber es hat mich eben doch interessiert, wie ich zu den Dienstleistungen von Bahn oder Post gelange. Oder wie es etwa funktioniert, wenn ich eine elektronische Postkarte schreiben will. Damit habe ich sonst nie zu tun.»

Der Kurs habe die Erwartungen sehr gut erfüllt: «Wir erhielten sehr gute, sehr detaillierte Unterlagen von Kursleiter Peter Graf. Alle Schritte waren gut erklärt und gut dargestellt.»

«Heutzutage», sagt Hans-Ruedi Küffer, «ist die Mobiltelefonie dermassen präsent – man muss sich fit machen, wenn man den Anschluss nicht verpassen will. Da ist es gut, wenn man mal eine Einführung erhalten hat und dahinterblickt, was in einer solchen Maschine alles steckt – auch wenn man das Telefonieren und Nachrichtenschreiben bereits beherrscht.»

Teils bestehe auch die Angst, dass eine Anwendung aussteigt, wenn man etwas falsch macht. Die Sorge sei vielleicht nicht allzu sehr berechtigt, aber: «Sowohl Handy als Computer sind Maschinen, die man nicht selber programmiert hat. Daher fehlt auch der Zugang.»

Das Handy sei ja auch ein Computer. «Früher nahmen die Geräte ein ganzes Zimmer in Anspruch. Heute passen sie auf den Tisch oder in den Hosensack. Meine Enkel, ja auch mein Sohn und meine Tochter besitzen einen anderen Zugang dazu als wir. Sie sind damit aufgewachsen. Für sie ist es etwas Normales, für uns immer noch etwas Unvertrautes. Sie haben zu den Maschinen ein Vertrauensverhältnis. Wir spielen zum Beispiel nicht damit.»

Für vertiefte Recherchen doch lieber das Buch

Beruflich, sagt Hans-Ruedi Küffer, habe er den Einstieg in die Computerwelt schon noch gemacht. Er habe aber auch eine Sekretärin gehabt. Seine Frau erledige heute die Administration. Er habe schon das Gefühl, er müsse wieder einmal einen Windows-10-Kurs – über das heutige Betriebssystem der Computer – besuchen. «Wenn man den Computer nicht jeden Tag nutzt und damit schreibt, dann ist es nicht so einfach.»

Hans-Ruedi Küffer ist also nicht die Person, die automatisch zum Handy oder Computer greift: «Zum Fotografieren verwende ich noch heute lieber den Fotoapparat.»

Allerdings, wenn es darum geht, Informationen zu suchen, sich Wissen zu beschaffen, dann nutzt auch Küffer, der sich in der Freizeit sehr für Astro- und Quantenphysik interessiert, gern zum Computer: «Das Handling für Internetrecherchen ist auf dem Laptop viel einfacher als auf dem Handy.» Nicht zuletzt, weil sich Artikel herunterladen und wie in einer Bibliothek speichern und ordnen lassen.

Auch für seine anderen Fachgebiete – die Studienberatung, wo sich die Dinge ebenfalls sehr schnell entwickelten, oder Psychologie und Krankheitsbilder –, da «googelt» er natürlich. Als Wissensspeicher hat auch für ihn das Internet inzwischen eine grosse Bedeutung.

Jedoch: Wenn er sich für ein Fachgebiet vertieft interessiere, sei ihm oft doch das Buch lieber als der Computer: «Ich kann einzelne Stellen anstreichen und herausheben. Das ist besser für die Merkfähigkeit und das Gedächtnis. Es verschafft einem ein anderes Bild. Computerdokumente kann man zwar ausdrucken. Aber ich finde das Buch immer noch zentraler.»

Computertechnologie – eher notwendiges Übel

Deshalb gilt: «Das Internet erschliesst einem grosse Möglichkeiten, ohne das Haus verlassen zu müssen.» Und: «Für einzelne Wissensspots ist das World Wide Web schon genial.» Aber: «Um sich mit der Materie wirklich auseinanderzusetzen, ist mir das Buch lieber. Das Buch bleibt. Etwas Schriftliches in der Hand ist immer wertvoll.»

Kommt dazu, dass gerade im Internet immer auch «eine Unschärfe des Wissens bleibt». Man wisse nie genau, ob die Informationen auch objektiv seien. «Nun gibt auch in den Büchern nicht immer alles die Wirklichkeit wieder. Aber die Frage, ob eine Quelle verlässlich ist, ist im Internet noch wichtiger.»

Unter dem Strich findet er es, der sein Leben lang mit Informationen und Wissen arbeitete, «notwendig, sich mit der neuen Informationstechnologie auseinanderzusetzen. Ein notwendiges Übel der Zeit.»

Auch er hat sein Handy heute immer dabei. Sein erstes Mobiltelefon, erinnert er sich, erhielt er vor vermutlich zwanzig Jahren zum Geburtstag. «Es sah noch völlig anders aus und war nur ein Telefon.»

Damals besass er noch den Pilotenschein. «2010 hörte ich mit der Privatfliegerei auf.» Auch die Flugtechnik habe sich seitdem enorm entwickelt – computerbasiert: «Zum Beispiel existieren heute Headsets und eine Software, die den Lärm absorbieren.»

Handys, man trage sie heutzutage immer mit sich herum. «Man hat das Gefühl, man braucht es. Man wird abhängig. Man glaubt, nicht mehr ohne sie sein zu können.»

Schnelleres, lauteres Leben

Immerhin – gerade im Alter gebe es auch noch einen Sicherheitsaspekt: «Natürlich habe ich die Notfallnummer auf dem Handy programmiert. Das verleiht einem ein Sicherheitsgefühl. Aber ob es dann klappt?»

Was für Hans-Ruedi Küffer vor allem bleibt, ist der Eindruck der rasend schnellen Entwicklung: «Ich besass bis jetzt schon mehrere Laptops. Jeder ist immer wieder neu, anders – schneller. Mit all den Funktionen, die so eine Maschine bietet, kann man schlussendlich schon das Gefühl erhalten, nicht mehr zu genügen.»

«Sich insuffizient fühlen», sagt er als Psychologe in der Fachsprache: «Sich da immer à jour halten – mit der Zeit mag man das nicht mehr gleich.»

Am Schluss wird das Gespräch fast philosophisch: «Man wird im Alter selbst immer langsamer. Und die Technik rund um einen herum immer schneller.» Ja, unterstreicht er: «Das Leben wurde in den letzten Jahrzehnten immer gehetzter und lauter.» Trotz etwa computergesteuerter Kopfhörer, die beim Fliegen den Lärm schlucken...

Am Schluss bleibe «einerseits das Insuffizenzgefühl, weil eben die technologische Entwicklung so rasant ist – und man selber nicht schneller wird.»

Anderseits bestehe bei ihm als ehemaligem Privatpilot «schon auch eine alte Gewöhnung an die technische Entwicklung.» Das, schliesst er, «hält sich so ein wenig die Waage».