«Ich liebe den Kontakt mit den Gästen und unser kollegiales Team, das wir aufbauten»

Valeria Arena ist seit sieben Jahren im Quartierlokal «Café Negropont» in Rorschach tätig, das von Pro Senectute geführt wird. Sie arbeitet vor allem im Service. Wer das «Negropont» betritt, findet immer jemanden zum Reden. Sorgen lässt Valeria Arena bewusst zu Hause, damit sich die Gäste wohlfühlen.Valeria Arena hatte gerade etwas weniger als «Nonna» zu tun, als sie sich für Pro Senectute interessierte. Seit 2019 serviert sie im «Café Negropont» jeden Mittwoch. Die Teamkolleginnen und -kollegen trifft sie auch ausserhalb. Und schaut an Tagen, an denen sie nicht arbeitet, selbst im Treffpunkt vorbei. Foto: ps.

«Ich lebe seit 1967 in der Schweiz, zunächst in Rorschach und seit 1971 in Goldach. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und zwei Enkelkinder. Obwohl diese schon gross sind, kommen sie immer noch einmal pro Woche zu Besuch. Dass sie gern zur Nonna kommen, macht mich sehr glücklich. 

Als unser zweites Kind etwas grösser war, wurde ich zu etwa fünfzig Prozent berufstätig. Ich begann in der Produktion und besuchte Kurse, um voranzukommen. Ich erlangte das Goethe-Diplom und absolvierte einen Bürofachkurs. Ich arbeitete bei Alcan und war am Schluss bei Arbonia Forster für den Einkauf und die italienische Kundschaft verantwortlich. 

Ich bin am See verwurzelt, wandere aber gerne in den Bergen. Wenn ich von Heiden auf den See hinabblicke, denke ich, wie schön das Flecklein ist, wo ich wohne. Ich singe seit 45 Jahren im ältesten italienischen Chor der Schweiz, dem ‹Corale Santa Cecilia›, wo ich auch Vorstandsarbeit geleistet habe. Ausserdem war ich bei der Missione Cattolica Italiana in Rorschach engagiert.

Seit sieben Jahren Tagesverantwortliche am Mittwoch

Beim ‹Café Negropont› begann ich 2019. Als ich in der Zeitung las, dass Freiwillige gesucht werden, nahm ich mit Sylvia Huber von Pro Senectute Rorschach & Unterrheintal Kontakt auf und schaute es mir an.

Seitdem arbeite ich im Service sowie als Tagesverantwortliche, und zwar jeden Mittwoch. Ich schnupperte auch in der Küche, aber im Service gefällt es mir besser. Wir sind eine tolle Gruppe. Alle sind supernett. Wir treffen uns sogar neben der Arbeit. Alle zwei bis drei Monate veranstalten wir einen Pizzaabend. Wir gehen dabei die Einsatzpläne durch, und es ist immer ein schönes Zusammensein.

Es ist schön, dass die Leute Freude haben, wenn sie das ‹Café Negropont› kommen. Wir versuchen Fröhlichkeit zu verbreiten, so dass sich die Gäste wohlfühlen. Die Kundinnen und Kunden sind sehr zufrieden. Das Essen ist gut, preiswert und frisch. Wir haben jeden Tag ein anderes Team und einen anderen Koch. Alle machen es sehr gut. 

Wir treffen uns sogar neben der Arbeit. Alle zwei bis drei Monate veranstalten wir einen Pizzaabend. Wir gehen dabei die Einsatzpläne durch. Es ist immer ein schönes Zusammensein.

Ich bin stolz aufs ‹Café Negropont›, weil es eine gute Sache für ältere Leute ist, gerade wenn sie ein wenig allein sind. Am Stammtisch können sich alle treffen. Manchmal ergeben sich Wechsel, wenn jemand nicht mehr unter uns ist. Hernach stossen wieder neue Stammgäste dazu.

Sicher hat die Zufriedenheit der Gäste mit unserer Haltung zu tun. Wenn ich Sorgen habe, lasse ich sie zu Hause. Wir verwöhnen die Leute gerne, wenn sie hier sind. Das gehört sich für mich so. 

Alle im «Café Negropont» arbeiten freiwillig

Wir hören den Menschen zu. Wenn wir neben dem Service ein wenig Zeit haben, setzen wir uns zu den Stammgästen, worüber sich diese sehr freuen. Falls jemand ein wenig sprechen möchte, haben wir Zeit. Dass sich die älteren Leute im ‹Negropont› treffen können und gut aufgehoben sind, bringt auch der Stadt und dem Quartier etwas. 

Eigentlich sind wir vom Team gleich alt wie die Gäste – zwischen 65 und 80 Jahren. Zu den Kundinnen und Kunden zählen auch jüngere Menschen. Ehepaare besuchen uns. Wir haben Gäste aller Generationen. Aber die meisten sind schon pensioniert.

Im ‹Café Negropont› arbeiten alle freiwillig und ohne Lohn. Mit dem Trinkgeld unternimmt das Team einmal im Jahr einen Ausflug, und zwar an einem Dienstag, wenn das Restaurant geschlossen ist.

Gäbe es das ‹Negropont› nicht, wäre das sehr schade. Man kann sich vorstellen, wie allein diejenigen wären, die hier Freundschaften schlossen und immer jemanden zum Reden finden. Das ‹Café Negropont› hilft gegen die Einsamkeit. Es ist schön, dass es einen solchen Ort gibt. 

Wenn ich Sorgen habe, lasse ich sie zu Hause. Wir verwöhnen die Leute gerne, wenn sie hier sind. Das gehört sich für mich so.

Auch ich schaue, selbst dann, wenn ich nicht arbeite und gerade in Rorschach bin, regelmässig im Restaurant herein: So sehe ich die Kolleginnen und Kollegen, die ich sonst nicht treffe, oder es ergibt sich ein Gespräch mit Besucherinnen und Besuchern, die ich kenne. 

Ohne das ‹Café Negropont› würden auch mir die Freundschaften fehlen. Ich würde meine Kolleginnen und Kollegen und unser Team sehr vermissen. Ich brauche einfach Menschenkontakte, und im ‹Negropont› finde ich Abwechslung und Austausch. 

Breites Veranstaltungsangebot neben dem Café-Restaurant und dem Treffpunkt

Ich wünsche mir, dass das ‹Café Negropont› bleibt, wie es ist. Man kann immer mehr machen. Aber das ‹Negropont› bietet bereits viel. Dies erst recht mit den Kursen, die Pro Senectute durchführt. Wenn alles so bleibt, ist es eine gute Sache. 

Die Zusammenarbeit mit Pro Senectute ist gut. Die Mitarbeitenden sind nett und essen hie und da bei uns. Wenn  das Restaurant ausgebucht ist oder die Zeit fehlt, nehmen sie die Mahlzeiten nach oben. Benötigen wir zum Beispiel Flyer, werden wir gut unterstützt. Es ist sehr gut, dass Pro Senectute und das ‹Negropont› nahe sind und miteinander arbeiten.

Das ‹Café Negropont› hilft gegen die Einsamkeit. Es ist schön, dass es einen solchen Ort gibt.

Die Regionalstelle macht eine super Arbeit und sorgt sich in sehr vieler Hinsicht für die älteren Menschen. Wer zum Beispiel Hilfe im Haushalt benötigt, finanzielle Fragen hat oder Hilfe bei Computerangelegenheiten sucht, findet Unterstützung. 

Zu Pro Senectute kann man immer hingehen, wenn man etwas braucht. Wenn das Team nicht direkt helfen kann, informiert es, wohin man sonst gehen kann. Es ist sehr gut, dass es einen Ort gibt, wo man alles fragen kann und immer Hilfe erhält.

Und das Beste am ‹Café Negropont› ist, dass Menschen, die vielleicht allein sind, bei uns hereinschauen können und immer jemanden finden, den sie treffen können.»

Text: Michael Walther, Redaktor Newsletter Pro Senectute Kanton St. Gallen
Das Mittwochsteam, auf das Valeria Arena nicht mehr verzichten möchte: von links nach rechts Edith Schlegel, Valeria Arena selbst, Rolf Gonzenbach, Marian Bräm. Foto: ps.


An vier Werktagen geöffnet und viele Spezialanlässe

Das «Café Negropont» ist am Dienstag und am Wochenende geschlossen und am Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag durchgehend von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet. Das Restaurant bietet täglich ein wechselndes Mittagessen. 

Der Treffpunkt wurde 2015 gegründet und feierte 2025 das Zehn-Jahre-Jubiläum. Das Café liegt in Rorschach an der Reitbahnstrasse 2. In den oberen Stockwerken befinden sich auch die Kurs- und Büroräume der Regionalstelle Pro Senectute Rorschach & Unterrheintal. 

Pro Senectute unterstützt das «Café Negropont» fachlich im Bereich Administration sowie in der Teambegleitung. Der Gastrobetrieb ist heute nahezu selbstkostentragend. Derzeit arbeiten 34 Freiwillige ehrenamtlich mit. 

Im «Café Negropont» finden regelmässig Spezialanlässe statt wie Fonduessen mit Livemusik. Jeden Montagnachmittag trifft sich der Schachklub. Am Freitagnachmittag kann gejasst werden. Es finden Spielnachmittage statt und es gibt eine Strickgruppe In der Handy-Sprechstunde finden die Gäste Unterstützung im Umgang mit dem Smartphone. Auch Vernissagen und Bilderausstellungen werden organisiert. 

Das Monatsprogramm und der Menüplan wird Interessierten per E-Mail zugestellt. mw.


Das «Negropont» – ein Haus mit Geschichte

Der Name «Negropont» führt bis ins 14. Jahrhundert zurück. Negroponte hiess nämlich früher die griechische Insel Euböa. Mehrere Rorschacher Söldner kämpften zu jener Zeit im türkisch-venezianischen Krieg. 1475 wurde am Ort, wo das heutige Café steht, ein Haus namens Negropont erbaut. Somit besteht ein historischer Zusammenhang mit dem damaligen Söldnertum. 

Das alte Haus wurde 1979 durch ein Feuer zerstört. An derselben Stelle wurde ein neues Geschäftshaus errichtet. Die Immobilienfirma übernahm den Namen für das heutige Wohn- und Geschäftshaus – sowie für das «Café Negropont». ps.

Zum Artikel über das Zehn-Jahre-Jubiläum des «Café Negropont».

Zum Porträt der «Café Negropont»-Mitarbeiterin Marian Bräm, ebenfalls in unserem Newsletter.

Café Restaurant Negropont, Reitbahnstrasse 2, 9400 Rorschach, www.cafenegropont.ch

Kontaktperson: Sylvia Huber, Pro Senectute Rorschach & Unterrheintal, rorschach@sg.prosenectute.ch, Telefon: 071 844 05 16
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